Autofahren in Australien: Linksverkehr, Führerschein & Verkehrsregeln

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Linksverkehr, riesige Entfernungen, Roadtrains und plötzlich ein Känguru am Straßenrand: Autofahren in Australien fühlt sich am Anfang erst einmal anders an als zu Hause. Nach kurzer Eingewöhnung fanden wir es aber deutlich unkomplizierter, als wir vor unserer ersten Reise erwartet hatten.

Wir waren in Australien inzwischen mit Mietwagen, Camper und 4WD unterwegs und haben dabei ganz unterschiedliche Straßen erlebt – vom Stadtverkehr in Sydney und Melbourne bis zu langen Highways und unbefestigten Strecken im Westen des Landes.

Trotzdem gibt es einige Regeln und Besonderheiten, die du vor der ersten Fahrt kennen solltest. Dazu gehören nicht nur der Linksverkehr, sondern auch Tempolimits, Kreisverkehre, Schulzonen, Mautstraßen und die Frage, welche Strecken du mit einem Mietfahrzeug überhaupt fahren darfst.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, was du beim Autofahren in Australien wirklich wissen musst – von Führerschein und Verkehrsregeln bis zu Roadtrains, Gravel Roads und Fahrten in der Dämmerung. Dazu kommen unsere eigenen Erfahrungen und Tipps, die uns auf australischen Roadtrips geholfen haben.

Was du sonst noch vor deiner Reise erledigen solltest, findest du in unserem ausführlichen Guide zur Planung deiner Australien-Reise.

Führerschein in Australien: Was brauchst du als deutscher Urlauber?

Mit einem deutschen Führerschein darfst du als Tourist in Australien Auto fahren. Weil er aber nicht auf Englisch ausgestellt ist, brauchst du zusätzlich einen internationalen Führerschein oder eine offizielle englische Übersetzung.

Die Regeln legen die einzelnen Bundesstaaten fest. Im Kern sind sie aber überall gleich: Du musst deinen nationalen Führerschein immer dabeihaben, und wenn er nicht auf Englisch ist, zusätzlich den internationalen Führerschein oder die Übersetzung. Der internationale Führerschein allein reicht nicht, er gilt nur zusammen mit deinem deutschen.

Eine abgelegene Straße abseits von öffentlichen Verkehrsmitteln in Australien

Unsere Empfehlung ist deshalb ganz einfach: Deutschen Führerschein + internationalen Führerschein mitnehmen. Den internationalen bekommst du für wenig Geld bei deiner Führerscheinstelle. Er ist meist in wenigen Tagen fertig, manchmal sogar sofort.

Wichtig bei längeren Reisen: Wie lange du mit deinem ausländischen Führerschein fahren darfst, ist nicht überall gleich. Im Northern Territory sind es drei Monate, in New South Wales und Victoria sechs Monate. In den übrigen Bundesstaaten gibt es für Besucher keine feste Grenze. Für einen normalen Urlaub spielt das keine Rolle. Wenn du aber wie wir rund drei Monate im Land bist und davon einen Teil im Northern Territory verbringst, solltest du das kurz prüfen.

Mindestalter: Gesetzlich reicht dein gültiger Führerschein. Die meisten Vermieter verlangen aber ein Mindestalter von 21 Jahren, für manche Fahrzeuge auch 25. Unter 25 fallen oft Zusatzgebühren an. Schau deshalb vor der Buchung in die Mietbedingungen.

Linksverkehr in Australien: So gewöhnst du dich schnell daran

Das Wichtigste zuerst: In Australien herrscht Linksverkehr. Du sitzt rechts im Auto, schaltest mit links und der Blinker sitzt meist auf der rechten Seite des Lenkrads. Die ersten paar Mal wirst du beim Abbiegen garantiert den Scheibenwischer anstellen. Das gehört einfach dazu.

An den Linksverkehr selbst gewöhnt man sich erstaunlich schnell. Gefährlich wird es eher in Momenten, in denen du nicht nachdenkst, sondern automatisch handelst.

Achtung: In Australien herrscht Linksverkehr

Genau das ist uns passiert. Kurz nach unserer Ankunft, noch ziemlich müde vom langen Flug, sind wir beim Abbiegen aus Versehen auf die rechte Fahrbahn gefahren, also direkt in den Gegenverkehr. Zum Glück war es eine ruhige Straße und niemand kam uns entgegen. Gelernt haben wir daraus trotzdem einiges.

Besonders aufmerksam solltest du in diesen Situationen sein:

  • nach dem Tanken oder einer Pause wieder losfahren
  • aus einer Einfahrt oder einem Parkplatz auf die Straße fahren
  • links oder rechts abbiegen, vor allem auf leere Straßen
  • in einen Kreisverkehr einfahren
  • auf einer nahezu leeren Straße unterwegs sein

Gerade wenn wenig Verkehr herrscht, fehlt dir die Orientierung durch andere Autos. Dann fährt der Kopf schnell wieder auf Autopilot.

Unser Tipp: Fahr nach der Langstrecke nicht direkt los. Übernimm dein Fahrzeug, wenn möglich, erst am Tag nach der Ankunft, und plane für den ersten Tag nur eine kurze Etappe. Ein kleiner Merksatz hilft außerdem: Als Fahrer sitzt du immer zur Straßenmitte hin.

Und irgendwann passiert das, was uns nach längerer Zeit in Australien regelmäßig passiert: Du kommst zurück nach Europa und musst dich plötzlich wieder daran erinnern, rechts zu fahren.

Die wichtigsten Verkehrsregeln in Australien

Viele Regeln kennst du von zu Hause. Die Details legt aber jeder Bundesstaat selbst fest, vor allem bei Tempolimits, Parkregeln und Schulzonen. Verlass dich also nicht darauf, dass eine Regel aus Queensland in Victoria genauso gilt, und achte immer auf die Beschilderung.

Tempolimits in Australien

Gilt kein Schild, darfst du innerorts in der Regel 50 km/h und außerorts 100 km/h fahren. In Western Australia und im Northern Territory liegt das Limit außerorts bei 110 km/h. Auf vielen Highways in anderen Bundesstaaten ist ebenfalls 110 km/h ausgeschildert.

BundesstaatInnerortsAußerorts (ohne Schild)Schulzone
New South Wales, Victoria, Queensland, Tasmanien, ACT50 km/h100 km/h40 km/h
South Australia50 km/h100 km/h25 km/h
Western Australia50 km/h110 km/h40 km/h
Northern Territory50–60 km/h110 km/h, auf vier Highways bis 130 km/h40 km/h

Schulzonen solltest du besonders ernst nehmen. Das reduzierte Tempo gilt an Schultagen zu den Zeiten, die auf dem Schild stehen. Kontrolliert wird hier sehr streng.

Was uns bei unserer ersten Reise wirklich überrascht hat: wie viele Blitzer es gibt und wie oft die Polizei Geschwindigkeitskontrollen durchführt. Dazu kommen mobile Kameras, die du kaum siehst. Die Strafen sind deutlich höher als in Deutschland, und bei einem Mietwagen kommt noch eine Bearbeitungsgebühr des Vermieters dazu.

Vorfahrt: Wer darf zuerst?

An Kreuzungen ohne Schilder oder Ampel gilt wie bei uns: Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt. An einer T-Kreuzung hat dagegen der Verkehr auf der durchgehenden Straße Vorfahrt. Achte außerdem auf die Schilder „Give Way“ (Vorfahrt gewähren) und „Stop“.

Kreisverkehr in Australien

Australier lieben Kreisverkehre. Gerade in kleineren Orten wirst du kaum Ampeln finden. Dabei gilt:

  • Du fährst im Uhrzeigersinn in den Kreisverkehr.
  • Fahrzeuge im Kreisverkehr haben Vorfahrt. Du lässt also alle durch, die von rechts kommen.
  • Willst du links abbiegen, blinkst du schon vor der Einfahrt links.
  • Willst du rechts abbiegen, blinkst du vor der Einfahrt rechts.
  • Beim Verlassen blinkst du immer links.

In mehrspurigen Kreisverkehren ordnest du dich vorher richtig ein. Die Markierungen auf der Fahrbahn zeigen dir, welche Spur wohin führt.

Überholen und Fahrspuren

Überholt wird rechts. Auf mehrspurigen Straßen fährst du links und nutzt die rechte Spur nur zum Überholen. Eine durchgezogene Linie darfst du nicht überqueren. Bei einer doppelten Linie darfst du nur überholen, wenn die Linie auf deiner Seite unterbrochen ist.

Alkohol, Handy und Gurt

  • Promillegrenze: 0,5 Promille. Für Fahranfänger mit Probeführerschein gilt 0,0. Wir halten es einfach: Wer fährt, trinkt nicht.
  • Handy: Das Handy in der Hand zu halten ist während der Fahrt verboten, auch an der Ampel. Navigation nur mit fester Halterung. Viele Bundesstaaten setzen spezielle Kameras ein, die genau das erkennen.
  • Gurt: Anschnallpflicht für alle Insassen, auf allen Sitzen. Für Kinder gelten genaue Vorschriften für Kindersitze, die du bei deinem Vermieter dazubuchen kannst.
  • Erste-Hilfe-Kasten und Warnweste: sind in Australien keine Pflicht. In deinem Mietwagen wird also wahrscheinlich keins von beidem sein. Einen kleinen Erste-Hilfe-Kasten bekommst du günstig im Supermarkt oder in der Apotheke. Für längere Touren würden wir ihn immer mitnehmen.

Maut in Australien: Sydney, Melbourne und Brisbane

Außerhalb der großen Ballungsräume zahlst du in Australien fast nie Maut. Rund um Sydney, Melbourne und Brisbane sieht das anders aus: Dort sind viele Autobahnen, Tunnel und Brücken mautpflichtig. Und oft lassen sie sich kaum vermeiden, ohne einen großen Umweg zu fahren.

Mautstationen mit Kasse gibt es nicht. Die Gebühr wird elektronisch über einen Transponder (E-Tag) oder über das Nummernschild erfasst.

Für dich als Tourist heißt das in der Praxis:

  • Mietwagen und Camper: Die meisten Vermieter haben einen E-Tag im Fahrzeug oder erfassen die Maut über das Kennzeichen. Die Kosten werden später von deiner Kreditkarte abgebucht, oft mit einer zusätzlichen Bearbeitungsgebühr pro Fahrt oder pro Tag. Frag bei der Übernahme nach, wie dein Vermieter das regelt.
  • Mautstraßen vermeiden: In Google Maps kannst du unter den Routenoptionen „Mautstraßen vermeiden“ auswählen. Das kostet meist etwas Zeit, kann aber Gebühren sparen.
  • Nicht ignorieren: Unbezahlte Maut landet über den Vermieter bei dir, mit ordentlichen Zusatzkosten.

Unser Tipp: Wenn du deine Reise in einer der großen Städte startest, übernimm dein Fahrzeug erst am Tag, an dem du die Stadt verlässt. Innerhalb von Sydney oder Melbourne kommst du mit Bahn, Bus und Tram ohnehin besser voran. Und du sparst dir Mautgebühren, Parkkosten und Stress.

Autofahren in australischen Städten: Hook Turns, Trams und Parken

Auf dem Highway ist Autofahren in Australien ziemlich entspannt. In Sydney, Melbourne oder Brisbane sieht das schon anders aus: mehrspurige Straßen, Tunnel, viele Einbahnstraßen und dichter Verkehr. Ein großes Wohnmobil durch Sydney zu bewegen und einen passenden Parkplatz zu finden, gehört nicht unbedingt zu den Dingen, auf die wir uns freuen.

Melbourne: Hook Turns und Straßenbahnen

In der Innenstadt von Melbourne gibt es eine Besonderheit, die viele überrascht: den Hook Turn. An bestimmten Kreuzungen biegst du nicht von der rechten, sondern von der linken Spur aus rechts ab, damit die Trams in der Mitte freie Fahrt haben.

So funktioniert es:

  1. Du ordnest dich ganz links ein und blinkst rechts.
  2. Du fährst in die Kreuzung ein und wartest links vorne.
  3. Sobald die Ampel der Straße, in die du abbiegen willst, auf Grün springt, biegst du rechts ab.

Die Kreuzungen sind mit einem Schild „Right Turn from Left Only“ gekennzeichnet.

Außerdem gilt: Hält eine Straßenbahn ohne eigene Haltestelleninsel, musst du hinter ihr stehen bleiben, solange die Türen offen sind. Die Fahrgäste steigen direkt auf die Fahrbahn aus.

Parken in Australien

  • Geparkt wird immer in Fahrtrichtung, also auf der linken Straßenseite.
  • Achte genau auf die Parkschilder. Angaben wie „2P“ bedeuten zwei Stunden Parken, oft nur zu bestimmten Zeiten.
  • Clearway heißt: Zu den angegebenen Zeiten absolutes Halteverbot. Wer dort steht, wird abgeschleppt.
  • Eine gelbe durchgezogene Linie am Fahrbahnrand bedeutet Halteverbot.
  • Mit einem Camper findest du in Innenstädten kaum Parkplätze, und Parkhäuser sind meist zu niedrig. Achte auf die angegebene Height Limit und kenne die Höhe deines Fahrzeugs.

Lange Strecken fahren: Müdigkeit, Pausen und Tanken

Eine größere Herausforderung als der Linksverkehr sind für uns inzwischen die langen Strecken. Australische Highways verlaufen außerhalb der Städte oft zweispurig und über viele Kilometer schnurgerade. Es passiert wenig, und genau dadurch wird das Fahren überraschend anstrengend.

Am deutlichsten haben wir das auf unserer Fahrt von Perth nach Melbourne gemerkt, als wir die Nullarbor Plain durchquert haben. Stundenlang sind wir gefahren, ohne dass sich die Landschaft verändert hat. Kein Haus, kaum ein anderes Auto, nur die Straße bis zum Horizont. Für uns war das wirklich anstrengend, viel anstrengender als jede Stadtfahrt. Dort liegt übrigens auch der „90 Mile Straight“, das längste gerade Straßenstück Australiens.

Müdigkeit ist einer der größten Risikofaktoren

In Australien wird viel dafür getan, dass Fahrer Pausen machen. Unterwegs siehst du immer wieder Schilder wie „Stop. Revive. Survive.“ und „Rest Area“ mit Toiletten und Picknicktischen. An langen Wochenenden und in den Ferien bieten die Driver Reviver-Stationen kostenlosen Kaffee und Kekse an.

Die endlosen Straßen in Australien erfordern eine hohe Konzentration

Unsere Regeln für lange Fahrtage:

  • Spätestens alle zwei Stunden eine Pause
  • Wenn möglich beim Fahren abwechseln
  • Nicht mehr als 400 bis 500 Kilometer pro Tag einplanen, auf Dauer lieber weniger
  • Bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit anhalten. Ein Power Nap von 15 Minuten wirkt Wunder

Tanken: lieber einmal zu früh als zu spät

Unser wichtigster Tipp für das Outback und abgelegene Regionen: Tanke bei jeder sich bietenden Gelegenheit.Spätestens bei einem Viertel Tankinhalt fahren wir die nächste Tankstelle an. Zwischen zwei Roadhouses können mehrere hundert Kilometer liegen.

Dazu kommt: Tankstellen in kleinen Orten und Roadhouses schließen oft schon am frühen Abend. Manche sind auch einmal komplett geschlossen. Und die Spritpreise steigen deutlich, je abgelegener du unterwegs bist.

Ein paar Dinge solltest du außerdem wissen:

  • Unleaded ist normales Benzin (91 Oktan), Premium Unleaded hat 95 oder 98 Oktan. Viele Camper fahren mit Diesel, prüf das unbedingt bei der Übernahme.
  • In manchen Regionen im Outback gibt es statt normalem Benzin Opal Fuel, einen geruchsarmen Kraftstoff. Den kannst du in jedem Fahrzeug tanken, das normales Benzin verträgt.
  • Bezahlt wird meist erst nach dem Tanken drinnen an der Kasse. Kreditkarte funktioniert fast überall.

Was für den Tank gilt, gilt auch für Wasser: Hab immer genug Trinkwasser im Auto. Wir rechnen in abgelegenen Regionen mit mehreren Litern pro Person und Tag, plus Reserve für eine Panne.

Roadtrains in Australien: So verhältst du dich richtig

Roadtrains sind Lkw mit bis zu vier Anhängern. Sie können über 50 Meter lang sein und transportieren Waren, Treibstoff oder Vieh quer durch das Land. Vor allem im Norden, im Outback und in Western Australia begegnen sie dir regelmäßig.

Als wir das erste Mal einen Roadtrain überholt haben, ist uns erst so richtig klar geworden, wie unfassbar lang diese Gespanne sind. Man zieht raus, fährt und fährt, und der Lkw scheint einfach nicht zu enden.

Achtung vor den Roadtrains in Australien

Was uns auf der anderen Seite geschockt hat: wie schnell Roadtrains manchmal unterwegs sind. Wer denkt, so ein Koloss schleicht gemütlich vor sich hin, liegt falsch. Viele fahren nur knapp unter dem Tempolimit. Das macht das Überholen noch einmal deutlich länger.

So überholst du einen Roadtrain sicher

  • Plane viel Strecke ein. Rechne mit einem Kilometer freier Sicht oder mehr. Überhole nur, wenn du wirklich weit nach vorne sehen kannst.
  • Keine Kompromisse bei Kuppen und Kurven. Lieber ein paar Minuten länger hinterherfahren.
  • Halte Abstand, wenn du hinterherfährst. So siehst du mehr von der Straße vor dir, und der Fahrer sieht dich im Spiegel.
  • Achte auf den Sog. Beim Überholen und bei Gegenverkehr zieht der Fahrtwind spürbar am Auto, mit einem Camper noch stärker. Halte das Lenkrad mit beiden Händen fest.
  • Schere erst wieder ein, wenn du den ganzen Lkw im Rückspiegel siehst.

Uns haben die Fahrer übrigens oft netterweise mit einem Hupzeichen signalisiert, wann genug Platz zum Überholen war. Verlassen würden wir uns darauf aber nicht. Die Entscheidung liegt immer bei dir.

Wenn ein Roadtrain dich überholt

Auch das kann gerade mit einem Camper vorkommen. Bleib dann möglichst berechenbar: Halte zunächst deine Geschwindigkeit und Position und bleib links. Erst wenn der Roadtrain zum Überholen ausgeschert ist, kannst du etwas Geschwindigkeit herausnehmen. Ist er vollständig vorbei, kannst du ihm mit einem kurzen Aufblenden signalisieren, dass genügend Platz zum Einscheren vorhanden ist. Genau dieses Vorgehen empfiehlt auch die Verkehrsbehörde des Northern Territory. 

Wenn dir ein Roadtrain entgegenkommt

Auf schmalen Straßen hat der Roadtrain praktisch immer Vorrang. Fahr rechtzeitig so weit wie möglich nach links, notfalls auf den Seitenstreifen, und reduziere das Tempo. Ein Roadtrain kann nicht einfach ausweichen oder schnell bremsen.

Auf unbefestigten Straßen solltest du sogar anhalten. Rechne mit einer Staubwolke, in der du kurz kaum etwas siehst, und mit aufgewirbelten Steinen. Genau so entstehen viele Steinschläge an der Windschutzscheibe, ein Schaden, den viele Basisversicherungen nicht abdecken. Worauf du bei der Versicherung deines Mietfahrzeugs achten solltest, erklären wir in unserem Beitrag zur Camper-Versicherung in Australien.

Gravel Roads, Floodways und 4WD-Strecken

Nicht jede Straße, die auf Google Maps wie eine normale Verbindung aussieht, ist asphaltiert. Ein großer Teil des australischen Straßennetzes ist unbefestigt, und auch das Wort „Highway“ heißt nicht automatisch, dass die Strecke geteert ist.

Erst die Mietbedingungen, dann die Route

Bevor du auf eine Gravel Road oder Unsealed Road abbiegst, solltest du wissen, ob dein Vermieter das überhaupt erlaubt. Viele Mietwagen und 2WD-Camper dürfen nur auf asphaltierten Straßen fahren. Ausnahmen gibt es oft für kurze Zufahrten zu Campingplätzen oder Nationalparks. Manche Anbieter schließen ganze Regionen aus, etwa bestimmte Outback-Strecken.

Fährst du trotzdem, bist du im Schadensfall meist nicht versichert, auch nicht mit Zusatzversicherung. Was bei einem Mietcamper typischerweise versichert ist und was nicht, haben wir in unserem Artikel zur Camper-Versicherung in Australien zusammengefasst.

Unser Rat: Wähle zuerst die Route und danach das Fahrzeug, nicht umgekehrt. Beim Vergleich verschiedener Camper und ihrer Mietbedingungen hilft dir unser Partner bestCAMPER. Mietwagen kannst du zum Beispiel über CHECK24 vergleichen. Achte dort nicht nur auf den Tagespreis, sondern auch auf die Selbstbeteiligung und die erlaubten Straßen.

So fährst du auf Schotterpisten

  • Tempo runter. Auf Schotter ist dein Bremsweg deutlich länger, und in Kurven rutscht das Fahrzeug schnell weg.
  • Achte auf Corrugations. Diese Querrillen, auch Waschbrettpiste genannt, schütteln Auto und Insassen ordentlich durch.
  • Licht an. So wirst du in der eigenen Staubwolke und der anderer besser gesehen.
  • Abstand halten. Fahr nicht im Staub des Vordermanns, dort siehst du nichts und bekommst Steine ab.
  • Lenke ruhig. Hektische Lenkbewegungen sind auf losem Untergrund die häufigste Unfallursache.

Floodways und überflutete Straßen

Vor allem im Norden und im Outback führen viele Straßen durch Floodways: Senken, die bei Regen überflutet werden. Ein Schild mit Messlatte zeigt dir die Wassertiefe.

Die Australier haben dafür einen einfachen Merksatz: „If it’s flooded, forget it.“ Fahr nicht durch überflutete Straßen. Die Strömung ist oft stärker, als sie aussieht, und darunter kann die Fahrbahn weggespült sein.

Wie stark Wetter und Straßen zusammenhängen, haben wir selbst im Kakadu Nationalpark gemerkt. Wir waren am Übergang von der Regen- zur Trockenzeit unterwegs. Das Wetter war schon gut, trotzdem standen noch große Gebiete unter Wasser, einige Straßen waren gesperrt und manche Strecken nur mit 4WD erlaubt. Mehr dazu findest du in unserem Guide zur besten Reisezeit für Australien.

Brauchst du einen 4WD?

Für die meisten klassischen Routen entlang der Ost- und Westküste, im Südwesten oder zwischen den großen Städten reicht ein normales Fahrzeug vollkommen aus. Interessant wird ein 4WD erst, wenn du gezielt Strecken wie die Gibb River Road, Teile des Cape Range Nationalparks oder abgelegene Campgrounds fahren möchtest.

Wir waren selbst mit einem Toyota LandCruiser Bushcamper an der Westküste unterwegs und würden jederzeit wieder eine 4WD-Reise machen. Aber: Ein Allradfahrzeug macht dich nicht automatisch zum Offroad-Profi. Wenn du noch nie im Sand oder auf tiefen Pisten gefahren bist, lass dich bei der Übernahme gut einweisen und frag nach dem richtigen Reifendruck.

Tiere auf der Strasse: Warum wir Fahrten in der Dämmerung meiden

Einen Ratschlag haben wir von Einheimischen bekommen, und wir halten uns bis heute daran: Fahr möglichst nicht in der Dämmerung und nachts.

australien schilder

Viele australische Tiere sind dämmerungs- und nachtaktiv. Vor allem außerhalb der Städte stehen Kängurus, Wallabys, Emus oder Wombats plötzlich auf oder neben der Fahrbahn. Im Outback und im Norden kommen freilaufende Rinder dazu, denn viele Weiden sind nicht eingezäunt.

Ein Zusammenstoß mit einem großen Känguru oder einer Kuh kann dein Auto so stark beschädigen, dass deine Reise erst einmal vorbei ist. Dazu kommt: Tierschäden sind bei vielen Mietfahrzeugen nur eingeschränkt versichert, und manche Vermieter verbieten Fahrten nach Sonnenuntergang außerhalb der Städte sogar ausdrücklich.

Wenn es sich nicht vermeiden lässt:

  • Tempo deutlich reduzieren und besonders aufmerksam fahren
  • Kängurus treten oft in Gruppen auf. Wo eins ist, folgen häufig weitere.
  • Nicht abrupt ausweichen. Ein Ausweichmanöver bei hohem Tempo, vor allem mit einem Camper, endet oft schlimmer als der Zusammenstoß selbst. Bremse kontrolliert und bleib in deiner Spur.
  • Achte auf Warnschilder. Ein gelbes Schild mit Känguru, Wombat oder Kuh steht dort nicht ohne Grund.
  • Cattle Grids, also Metallgitter quer über die Straße, zeigen dir, dass du jetzt durch Weideland fährst.

Hast du ein Tier angefahren, halte an, wenn es sicher möglich ist. Weibliche Kängurus haben oft ein Junges im Beutel, das überleben kann. Lokale Wildlife-Rescue-Organisationen helfen dir weiter. Die Nummer findest du schnell über eine Online-Suche nach „Wildlife Rescue“ und dem Bundesstaat.

Wildunfall in Australien

Panne oder Unfall in Australien: Was tun?

Hoffentlich brauchst du diesen Abschnitt nie. Trotzdem solltest du ihn kennen, bevor du losfährst.

Notruf: 000 (Triple Zero). Darüber erreichst du Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst. Vom Handy funktioniert auch die 112.

  • Panne: Fahr ganz von der Straße herunter, schalte die Warnblinkanlage ein und ruf die Pannenhilfe deines Vermieters an. Die Nummer steht in den Mietunterlagen. Organisiere keine Reparatur auf eigene Faust.
  • Im Outback beim Fahrzeug bleiben. Ein Auto wird viel schneller gefunden als ein Mensch zu Fuß, und es spendet Schatten.
  • Unfall: Sichere die Unfallstelle, kümmere dich um Verletzte und ruf bei Verletzten oder größeren Schäden die Polizei. Tausche Namen, Adressen, Kennzeichen und Versicherungsdaten aus und mach Fotos.
  • Vermieter informieren: Viele Mietbedingungen verlangen eine Meldung innerhalb von 24 Stunden.

Netzabdeckung nicht überschätzen

In abgelegenen Regionen hast du oft stundenlang keinen Handyempfang. Telstra hat außerhalb der Städte das mit Abstand größte Netz. Welche SIM-Karte für deine Route am besten passt, erklären wir in unserem Beitrag Welche SIM-Karte in Australien?. Lade dir außerdem Offline-Karten aufs Handy.

Bei Roadtrips in sehr abgelegene Regionen sagen wir außerdem immer jemandem Bescheid, wohin wir fahren und wann wir ungefähr ankommen wollen. Für richtige Outback-Touren kannst du dir bei vielen Vermietern ein Satellitentelefon oder einen Notfallsender (PLB) dazumieten.

Wichtige australische Verkehrsschilder und Begriffe

Als kleine Hilfe haben wir dir die Begriffe zusammengestellt, die dir auf australischen Straßen und Schildern am häufigsten begegnen.

EnglischDeutsch
BreakdownPanne
Cattle gridViehgitter quer über die Straße
ClearwayZu den angegebenen Zeiten absolutes Halteverbot
CrestKuppe
Dead end / No through roadSackgasse
DipSenke in der Straße
FatigueMüdigkeit
FloodwaySenke, die bei Regen überflutet werden kann
Form one laneFahrspuren werden zusammengeführt
Garage / MechanicWerkstatt
Give wayVorfahrt gewähren
Gravel roadSchotterstraße
Hard shoulderBefestigter Seitenstreifen
Height limitMaximale Fahrzeughöhe
IntersectionKreuzung
Keep left unless overtakingRechte Spur nur zum Überholen
No stoppingHalteverbot
OvertakeÜberholen
Overtaking laneÜberholspur
Pedestrian crossingFußgängerüberweg
Railway crossingBahnübergang
Rest areaRastplatz
Right turn from left onlyHook Turn (Melbourne)
RoadhouseRaststätte mit Tankstelle, oft im Outback
Road worksBaustelle
RoundaboutKreisverkehr
ServoUmgangssprachlich für Tankstelle
Speed cameraBlitzer
Toll / TollwayMaut / Mautstraße
TowingAbschleppen
Traffic lightAmpel
UnleadedNormalbenzin
Unsealed roadUnbefestigte Straße
WindscreenWindschutzscheibe

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